so oder so ähnlich warb kürzlich ein Kandidierender für das Amt des Oberbürgermeisters. Kandidierend in einer Stadt, der mindestens diskutable Ausprägungen von Stolz zugeschrieben werden. „Wir müssen Stolz entwickeln auf ‚unsere‘ Wissenschaftler und ‚unsere‘ kulturellen Institutionen und ‚unsere‘ Leistungsträger in der Wirtschaft. Kann man machen. Bleibt die Frage, wer ist „Wir“? Wer sind wir und wenn ja, wie viele?

Wenn uns die neuere Geschichte eines lehrte, dann dass es kein „Wir“ gibt. Dass Gesellschaft schon immer gespalten war und gespalten sein wird. Gesellschaft ist keine homogene kuschelige „Wir haben uns doch alle eigentlich gern“ Gruppe. Gesellschaft ist strukturiert, differenziert, divers. Durchzogen von Grenzen.

Wen soll also die Forderung, Stolz auf eine Elite, eine kleine Minderheit, zu entwickeln, erreichen? Sinnvollerweise adressiert die Forderung eine Mehrheit, die Nicht-Elite. Wer sind Nicht-Eliten? Die Lidl-Kassiererin (eine neue Symbolfigur, wie gelernt habe)? Otto, Leni, Kevin und Samantha Normalverbraucher? Wer aber ist stolz auf sie? Auf die Lidl-Kassierin? Auf die Menschen in den Sekretariaten, Menschen, die als Hausmeister oder Gebäudereiniger arbeiten, dafür sorgen, dass die IT funktioniert, der Strom fliesst, Post transportiert wird. Wer ist stolz auf sie? Egalite!