Nun, seit dem letzten Blogbeitrag sind ein paar Tage vergangen, die Zahlen der gemeldeten Corona-Infektionen schießen durch die Decke und es geht längst nicht mehr ums Urlaub machen im schönen Deutschland.

Soll man nun die Schulen schließen? Die Einen fordern es, die Anderen das genaue Gegenteil – und wie meistens im Leben: So einfach ist es eben nicht. Bedauerlicherweise ist nach wie vor viel zu wenig gekannt, in welchen Situationen, in welchen Konstellationen, an welchen Orten besonders häufig das Virus übertragen wird. Stecken sich Schüler_innen in der Schule an oder bringen sie das Virus eher von zu Hause mit? Ist die Gefährung eher in der Schule oder eher außerhalb? Welches Hygienekonzept erweist sich tatsächlich als wirksam, welches ist eher Makulatur? Natürlich, ständig wird auf die Abstand-Hygiene-Maske-Lüften Regel hingewiesen. (LüftenAbstandMaskeAchtsamkeit wäre auch schön, ein spuckendes Lama als Strafsymbol für renitente Ignorant_innen gefiele mir ausgesprochen gut). Ein volles Klassenzimmer und Gedränge auf den Fluren ist da eher ein Horrorszenario, zumindest für die Menschen, die es interessiert. Also Schulen schließen weil Ansteckungsrisiko. Geschlossene Schulen haben aber auch Folgen und zwar erhebliche. Unser Bildungssystem ist au Präsenz ausgelegt. Längst nicht alle Schulen sind hinreichend digital ausgestattet und abgesehen von der technischen Infrastruktur, viel wichtiger sind die medien- und distanzdidaktischen Kompetenzen und Konzepte die notwendig sind, um längerfristig Lernen auf Distanz zu ermöglichen und zwar chancengerecht. Nur ein Beispiel: Beim Thema Homeoffice ist es oft genug durchgehechelt wurden, wie stressig es ist mit Hausarbeit, aufmerksamkeitsbedürftigen Kindern und einen nicht ganz passenden Umfeld den Job auf die Reihe zu kriegen. Das ist bei Schüler_innen nicht anders. Bei weitem nicht alle Kinder haben ein eigenes Zimmer, einen eigenen Schreibtisch und ein entsprechend motivierendes häusliches Umfeld, was als Lehr-Lernumgebung dienen kann. Da sind unter Umständen viel mehr Störfaktoren vorhanden, die es zu kompensieren gilt. Das digitale Endgerät ist da nur ein Problem von vielen. Digital gestütztes Lehren und Lernen wie auch asynchrone LehrLernsituationen erfordern eine entsprechende Didaktik, wenn sie nicht nur Präsenzunterricht ersetzen, sondern einen Mehrwert darstellen sollen. Wohl denen, deren Eltern die Möglichkeit haben, zu unterstützen. Eine ganze Reihe von Berufsgruppen hat diese Möglichkeit nicht.

Nächster Punkt: Was ist mit den Kindertageseinrichtungen? Schulen zu, Kitas offen lassen? Gut, wir haben in meiner Heimatstadt so ganz grob über den Daumen etwa 50.000 Schüler_innen und in etwa ebensoviel Kinder in den Kitas. Wir würden die Häufigkeiten der Sozialkontakte deutlich reduzieren, wenn eine Einrichtungsart geschlossen würde für eine gewisse Zeit. Aber warum die eine und nicht die andere? Ist dann die Abwägung wieder bei der Ermöglichung von Kinderbetreuung, damit die Eltern arbeiten gehen können? Dann sollten die Grundschulen offen bleiben. Auch dann wäre eine statistische Verringerung der Sozialkontakte zu verzeichnen. Aber sind es genau die übertragungswirksamen Sozialkontakte?Schulschließungen sind „teuer“ in Bezug auf ihre Folgewirkungen.

Kommen wir zurück zum LAMA. Es müsste, betrachtet man sich die Einhaltung der derzeit immer wieder angemahnten Regeln, ständig um sich spuckend durch die Gegend laufen. Sind doch ein großer Teil der „Erwachsenen“ permanent dabei, sich Schlupflöcher zu suchen, wie Allgemeinverfügungen umgangen werden können, Rechtfertigungen und Wege zu finden, Regeln nicht einzuhalten. Hierin dürften die Ursachen für die steigenden Infektionszahlen liegen. Nicht im Schulbesuch. Darin und dass es eben an der notwendigen Achtsamkeit fehlt und – dass diese auch aus falsch verstandener Rücksichtnahme nicht eingefordert wird.

Es besteht ein gewisses Risiko, dass, angesichts dieser grassierenden Unachtsamkeit und fehlendem Bewusstsein für Eigenverantwortung (abgesehen von den Aluhutschwurblern) die Schulschließungen als Vorwand dienen, weiter unachtsam zu bleiben was letztlich bedeutete: die erhoffte Wirkung bleibt aus oder tritt nicht im erhofften Maße ein. Natürlich, der wirtschaftliche Schaden wird bei einem neuen Shutdown immens sein. Viele wirtschaftliche Bereiche haben das, was derzeit „ungesund“ ist und krank macht, als Grundlage. Sie leben von sozialen Kontakten. Um die Drehzahl der Übertragung kontrollieren zu können, könnte man argumentieren, man versucht „gegenzurechnen“ das heißt: rechnerisch Sozialkontakte in manchen Bereichen versuchen zu minimieren, damit es in anderen Bereichen weiter floriert. Ob das aber hilft, wage ich zu bezweifeln.