Das Netzwerk mit dem blauen f, auch Rentnertreff genannt, die jüngere Generation gibt sich damit nicht mehr ab, um so erstaunlicher, mit welcher Akribie an den Facebookauftritten – diese Wortschöpfung ist in sich schon absurd – politischer Parteien und zum Beispiel auch Fraktionen gefeilt wird. Jeder Post mit einem Beitragsbild versehen, der irgendwie schon vermittelt, die Followerschaft ist mindestens reif für die Geriatrie, wenigstens jedoch maximal begriffsstutzig. Immer wichtig: Wer meint, was zu sagen zu haben, das muss natürlich vermittelt werden – mittels eines Porträts im Beitragsbild. Das Betrachten des Porträts bereitet Nackenschmerzen, ich kann auch Menschen mit Stimmbeschweren nur schwer zuhören, ohne selbst ein Missempfinden in der Kehlkopfgegend zu verspüren.

Beim Durchscrollen meiner …Dings (heißt das noch Timeline?) musste ich angesichts eines neuerlichen Beitrags- Thema wieder irgendwas mit Chaos, musste ich lachen. Nun, aus der Sicht eines jungend Menschen gehe ich schnurstracks auf die Rente zu, da ist ein unkoordiniertes Loslachen möglicherweise entschuldbar, der Verfall schreitet halt hinfort. Vor einiger Zeit habe ich mich tatsächlich noch geärgert beim Lesen dieser Beiträge, die sich alle so erschreckend ähneln und so furchtbar unoriginell sind. Stadtrat stellt irgendeinen Missstand fest, Stadträte stellen IMMER Missstände fest, mindestens hat irgendwer Chaos verursacht, in welches der Stadtrat Ordnung hineinfordert. Nicht bringt natürlich. Es ist immer wieder dasselbe Schema und mich wundert, dass es noch niemandem aufgefallen ist. Was möglicherweise daran liegt, dass es da draußen, in der echten Welt, in beispielsweise die beklatschten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines stätischen Gemischtwarenladens sich zwar vom Klatschen nichts kaufen können, aber das zweifelhafte Privileg genießen, an einem Arbeitstag zwischen Neu- und Friedrichstadt hin- und herzupendeln, niemanden solche Facebook-Posts interessieren.

Nun. In ebendiesem Gemischtwarenladen (kurioserweise erlaubt sich diese Bezeichnung bei der Universitätsklinik niemand) hatte ich kürzlich Anlass und Gelegenheit, zu lesen und meine Wahl fiel auf „Arbeit und Struktur“. Vielleicht nicht die geeignetste Lektüre für einen Krankheitsaufenthalt, aber sie hat offenbar gewirkt. ich musste über den Facebook-Post lachen.