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Unterscheidungen.

Monat: September 2020

Erklärts mir bitte.

Ministerpräsidentenkonferenz. Bayerns MP und Möchtegernkanzler appeliert: Fahren Sie nicht in Risikogebiete. Machen Sie Urlaub im schönen Deutschland. Als Ossi frag ich mich, wohin? Ostsee waren dieses Jahr schon 5 Tage, kurzfristig ein bezahlbares Quartier ist nicht zu bekommen. Elbsandsteingebirge, immer wieder schön, ich kenne es aber auswendig und muss dringend mal ein ganzes Stück weiter weg. Während Söder also für den Urlaub in Deutschland – vermutlich meint er Bayern – wirbt, lässt der kleine Bruder, der MP von Sachsen, auf Twitter stolz-trotzig verkünden: es gäbe keine neuen Einschränkungen. Im Gegenteil. Pfeifen wir auf den bevorstehenden infektionsgeschehensbedingten Notstand beim Nachbarn, 48 Stunden Zeit zum Shoppen ohne Quarantäne. Der tschechische Nachbar wohlgemerkt. Mit Österreich spielen wir Risikogebietspuzzle. Tirol ist Risikogebiet, egal ob Innsbruck oder Landeck mit deutlich steigenden Zahlen oder eben Reutte mit verschwindend geringen Zahlen, nahezu sächsischen Verhältnissen genaugenommen. Quarantäne oder Test bei Heimkehr. Übernachten in Pfronten oder Füssen und Wandern jenseits der Grenze ist wieder quarantänekonsequenzfrei. Zu wenige handeln eigenverantwortlich, das zeigt der Alltag. Verantwortungsvolles Handeln setzt aber (kleiner Tipp: Kohlberg und Moral) Verstehen voraus. Die fehlende Logik der Coronapolitik macht es schwer.

Fouls

Wie spannend. Mehrere Artikel in der Tagespresse haben etwas zum Inhalt, was für die derzeitige Situation in irgend einer Weise symptomatisch ist. Aufregung. Aufregung um: ein Wahlergebnis. Eine Fraktion bezichtigt andere Fraktionen des Wortbruchs. Nämliches Wahlergebnis war eben nicht eindeutig und zwar nur (!) in der Weise, dass offenbar nicht alle Mitglieder der Fraktionen, die etwas miteinander vereinbart haben, gleich abstimmten. Das Ergebnis aber ist dasselbe, ob man nun mit einer Stimme Mehrheit oder zehn Stimmen – es ist so egal. Wenn man in der Lage ist, souverän damit umzugehen. Das aber ist die sich aufregende Fraktion wohl nicht. Am meisten schadet sie sich selbst. Nicht denen, die sie kritisiert. Wie macht man sich am besten lächerlich und gibt – mit Verlaub – ein hochgradig bescheidenes Vorbild ab.

Schlimmer scheint mir jedoch: Das Amt, um das es geht, das konkrete und das Amt als Kategorie, wird so in seiner Rolle und Bedeutung beschädigt. Die amtsinhabende Person soll einen Geschäftsbereich einer Stadtverwaltung in Vertretung die jeweilige das Oberbürgermeister*innenamt inhabende Person leiten. Führungspersönlichkeiten sollen es sein, von denen die zu leitende Verwaltung nicht sagt „is eh wurscht, wer da sitzt. Die haben sowieso keine Ahnung, nur das richtige Parteibuch.“

Anfang.

Das Netzwerk mit dem blauen f, auch Rentnertreff genannt, die jüngere Generation gibt sich damit nicht mehr ab, um so erstaunlicher, mit welcher Akribie an den Facebookauftritten – diese Wortschöpfung ist in sich schon absurd – politischer Parteien und zum Beispiel auch Fraktionen gefeilt wird. Jeder Post mit einem Beitragsbild versehen, der irgendwie schon vermittelt, die Followerschaft ist mindestens reif für die Geriatrie, wenigstens jedoch maximal begriffsstutzig. Immer wichtig: Wer meint, was zu sagen zu haben, das muss natürlich vermittelt werden – mittels eines Porträts im Beitragsbild. Das Betrachten des Porträts bereitet Nackenschmerzen, ich kann auch Menschen mit Stimmbeschweren nur schwer zuhören, ohne selbst ein Missempfinden in der Kehlkopfgegend zu verspüren.

Beim Durchscrollen meiner …Dings (heißt das noch Timeline?) musste ich angesichts eines neuerlichen Beitrags- Thema wieder irgendwas mit Chaos, musste ich lachen. Nun, aus der Sicht eines jungend Menschen gehe ich schnurstracks auf die Rente zu, da ist ein unkoordiniertes Loslachen möglicherweise entschuldbar, der Verfall schreitet halt hinfort. Vor einiger Zeit habe ich mich tatsächlich noch geärgert beim Lesen dieser Beiträge, die sich alle so erschreckend ähneln und so furchtbar unoriginell sind. Stadtrat stellt irgendeinen Missstand fest, Stadträte stellen IMMER Missstände fest, mindestens hat irgendwer Chaos verursacht, in welches der Stadtrat Ordnung hineinfordert. Nicht bringt natürlich. Es ist immer wieder dasselbe Schema und mich wundert, dass es noch niemandem aufgefallen ist. Was möglicherweise daran liegt, dass es da draußen, in der echten Welt, in beispielsweise die beklatschten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines stätischen Gemischtwarenladens sich zwar vom Klatschen nichts kaufen können, aber das zweifelhafte Privileg genießen, an einem Arbeitstag zwischen Neu- und Friedrichstadt hin- und herzupendeln, niemanden solche Facebook-Posts interessieren.

Nun. In ebendiesem Gemischtwarenladen (kurioserweise erlaubt sich diese Bezeichnung bei der Universitätsklinik niemand) hatte ich kürzlich Anlass und Gelegenheit, zu lesen und meine Wahl fiel auf „Arbeit und Struktur“. Vielleicht nicht die geeignetste Lektüre für einen Krankheitsaufenthalt, aber sie hat offenbar gewirkt. ich musste über den Facebook-Post lachen.

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