Klimaschutz ist wichtiger als Dein Arbeitsplatz

Das las ich kürzlich auf Twitter. Aus übergeordneter Perspektive oder höherem Interesse mag das ja so sein, dass der Einzelne weniger zählt als das Große Ganze. Der oder die Einzelne muss aber mit der Konsequenz leben und das Große Ganze interessiert sich wenig dafür, wie man ohne Job um die Runden kommt. Ökologisch lebt, bio und fair kauft, umweltfreundlich (elektro)mobil ist und lebenslang lernt.

„Du interessierst nicht“ – das kann man Menschen gegenüber sagen, vielleicht ist es sogar ehrlich. Aber davon ausgehen, auf Begeisterung des Gegenübers zu stoßen, das ist dann schon ein wenig naiv im besten Falle. Prekärer ist es, wenn politische Entscheidungen getroffen werden, die dann entsprechende Konsequenzen haben, nämlich, Menschen in prekäre Lagen bringen. Und schon ist es eine Frage gesellschaftlicher Verantwortung.

Zweifellos ist Umweltschutz gesellschaftliche Verantwortung, aber nicht nur Sache der oder des Einzelnen, sondern „des Systems“. Es ist ziemlich absurd, Kampagnen zu starten, „die Menschen“ sollen doch weniger Lebensmittel wegwerfen. Die Lebensmittelindustrie lebt genau davon, Gesetze und Bestimmungen regeln Mindesthaltbarkeitsdaten, droht einer Süßigkeitenfirma die Pleite weil die Leute weniger Süßigkeiten kaufen, erschallt schnell der Ruf nach dem Ministerpräsidenten, schließlich geht es um Jobs. Es ist absurd, eine Form der Mobilität abzuschaffen ohne eine umsetzbare einkommensunabhängige Alternative zu haben, Mobilität hängt bereits von der sozialen Lage ab. Nicht das Fliegen ist zu billig, Bahn fahren ist zu teuer. Wohl kaum eine Familie kommt auf die Idee, einfach mal so innerdeutsch zu fliegen, wohl aber mit dem Diesel an die Ostsee zu fahren, weil für den Durchschnittsverdiener mit zwei Kindern die Fahrt sonst so viel kostet wie der komplette Aufenthalt. Natürlich, es gibt auch die Hybrid-SUVs, aber die fahren so oder so Auto.

Fair und nachhaltig kaufen – warum sollten Menschen das tun. Es gab doch kürzlich einen Aufschrei, weil eine H&M-Filiale schießen sollte, eine von vier in der Innenstadt. Wenn weniger Kleidung gekauft würde, dann schlössen noch mehr Filialen. Deren Mitarbeiter sich schon jetzt weder Bioladen noch Faire Kleidung leisten können. Es wäre gut, die Pferde nicht immer von der unkompliziertesten Seite aufzuzäumen. Ist aber weniger aufwändig und anstrengend. Und – die Gruppen von denen ich hier schreibe, sind nicht die Gruppen, die sich politisch besonders aktiv beteiligen. Und das nicht aus Faulheit oder Desinteresse. https://www.ssoar.info/ssoar/handle/document/45936