Erzählungen

Schlagwort: Humor

Organisationsforschung

Ich finde es einfach ungerecht, daß man Vorgesetzte, die durch ihre Stellung ohnehin schon privilegiert sind, auch noch von der Forschung her stützt, mit Kursen über Menschenführung beglückt und mit entsprechenden Techniken ausrüstet, die von der Struktur her disprivilegierten Untergebenen dagegen ohne jede Hilfe läßt. Dabei ist der Umgang mit Vorgesetzten gewiß nicht einfacher als der mit Untergebenen. Gewiß kann keine wissenschaftliche Analyse verhindern, daß der Untergebene hin und wieder vor seinem Vorgesetzten Angst bekommt. Aber sie kann ihn vielleicht so weit bringen, daß er imstande ist, aus seiner Angst die richtigen Schlüsse zu ziehen. Schließlich ein letztes Wort der Einführung: Es gibt für mein Thema keine einschlägige Literatur, keine empirische Forschung. Wahrscheinlich haben Untergebene gute Gründe darüber zu schweigen, wie sie ihre Vorgesetzten behandeln. Aber: Ich hoffe, Ihnen zeigen zu können, daß es im Bereich der allgemeinen soziologischen Organisationsforschung eine Reihe von Einsichten gibt, die sich für unser Thema auswerten lassen. Mir scheint deshalb, daß ich mit diesem Thema Ihnen zugleich einen Einblick vermitteln kann in das Potential einer ziemlich abstrakt, ziemlich theoretisch ansetzenden Organisationsanalyse, und das wäre mein drittes Motiv –mein Hauptmotiv –für diesen Vortrag. (Luhmann 2016)


Luhmann, Niklas (2016): Der neue Chef. 2. Auflage. Hg. v. Jürgen Kaube. Berlin: Suhrkamp.

Können Sie mir folgen?

Zu den Besonderheiten struktureller Kopplung Bewusstsein-Kommunikation gehört, dass auf beiden Seiten autopoietische Systeme beteiligt sind. Es geht also nicht um die Kopplung eines autopoietischen Systems an invariante Gegebenheiten seiner Umwelt – so wie die Muskulatur von selbstbeweglichen Organismen abgestimmt ist auf die Anziehungskraft des Erdballs. Auch im Verhältnis Bewusstsein/Kommunikation gibt es einige strukturelle Invarianten, zum Beispiel die Grenzen des Tempos der Änderung von Bewusstseinszuständen, die die Kommunikation nicht überfordern darf. (Luhmann 2015, S. 105)


Luhmann, Niklas (2015): Theorie der Gesellschaft. 1. Aufl., [9. Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1360).

Sprache

Im evolutionären Kontext gesehen ist Sprache eine extrem unwahrscheinliche Art von Geräusch, das eben wegen dieser Unwahrscheinlichkeit hohen Aufmerksamkeitswert und hochkomplexe Möglichkeiten der Spezifikation besitzt. Wenn gesprochen wird, kann ein anwesendes Bewusstsein dieses Geräusch leicht von anderen Geräuschen unterscheiden und kann sich der Faszination durch laufende Kommunikation kaum entziehen (was immer es im unhörbaren eigenen System dabei denken mag). (Luhmann 2015, S. 110)


Luhmann, Niklas (2015): Theorie der Gesellschaft. 1. Aufl., [9. Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1360).

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén