Schöne Schlussworte

Wenn nicht die Fallstricke pädagogischer Reformen aus der Vergangenheit stets wieder neu ausgelegt werden sollen, so ist die wissenschaftliche, pädagogische und politische Perspektive nicht nur dafür zu schärfen, was institutionelle Erziehung, Bildung und Betreuung im Hinblick auf soziale Differenz und Chancengleichheit leisten kann, sondern auch dafür, was sie nicht (alleine) leisten kann. (Meyer 2018, S. 307)


Meyer, Sarah (2018): Soziale Differenz in Bildungsplänen für die Kindertagesbetreuung. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden.

Bildungsgerechtigkeit

Könnte es anders sein? Das Erziehungssystem muss – abgesehen von seinen sonstigen Funktionen – Individuen hervorbringen, die ein für alle Mal und für das ganze Leben ausgewählt und in eine Rangordnung eingestuft sind. Wenn man innerhalb dieser Logik soziale Privilegien oder Nachteile berücksichtigen und den Anspruch erheben wollte, die Individuen nach ihrem tatsächlichen Verdienst, das heißt, gemessen an den überwundenen Hindernissen einzustufen, bedeutet das in letzter, bis zum Absurden getriebener Konsequenz entweder einen Wettbewerb nach Klassen (wie beim Boxkampf), oder man wäre gezwungen – wie in der kantschen Verdienstethik -, den algebraischen Unterschied zwischen dem Ausgangspunkt, das heißt den gesellschaftlich bedingten Möglichkeiten, und dem Endresultat, das heißt dem an ablesbaren Prüfungsergebnissen ablesbaren Erfolg, zu messen, kurz gesagt man müsste nach Handikap einstufen. (Bourdieu 2018, S. 222)


Bourdieu, Pierre (2018): Bildung. Erste Auflage, Originalausgabe. Hg. v. Franz Schultheis und Stephan Egger. Berlin: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 2236).