Bildungschancen

„Wir decken gemeinsam mit Kindern den Tisch, wir machen einen gemeinsamen Tischspruch und wir bleiben, wir versuchen mal zehn Minuten am Tisch zusammen zu sitzen und genießen mal das Essen was wir schmecken, und da geht es gar nicht darum, was basteln wir morgen, sondern wir haben gemeinsam gegessen, jeder hatte was zu essen, was Warmes zu essen, wir haben gemeinsam gedeckt und haben gemeinsam abgeräumt, legen uns gemeinsam zum Schlafen hin, wir haben so Rituale, feste Rituale, wir werden beim Einschlafen kurz gestreichelt. Ich denke das ist irgendwie so wichtig, dass man den Kindern vermittelt, dass es das gibt, […] dass sie sich das mitnehmen und vielleicht auch in ihrem späteren Leben doch mal noch andere Sachen wichtig finden.“

Verwaltung

Verwaltungen sind ganz allgemein gesagt formale Organisationen, die nach Regeln arbeiten und mit eigens geschultem Personal öffentliche Aufgaben oder Assistenzfunktionen erfüllen. Das Eigentümliche der Verwaltung ist, dass sie ebenso allgegenwärtig wie unentbehrlich und doch, was ihre eigentliche Natur betrifft, weitgehend unbekannt und nicht einmal besonders hoch angesehen ist. Verwaltung gilt bestenfalls als uninteressant, jedenfalls als Expertenangelegenheit. Das ist paradox, schon deshalb, weil die öffentliche Verwaltung im demokratischen Staat Angelegenheit der Bürger sein sollte, und das kann sie nur sein, wenn diese die Möglichkeit haben, sich über ihre Eigenheiten zu unterrichten und sie wenigstens ihren Grundzügen nach zu verstehen. Verwaltung verstehen bedeutet nicht nur zu wissen, wie sie funktioniert, sondern auch beurteilen zu können, ob sie gut und angemessen funktioniert.


Seibel, W. (2016). Verwaltung verstehen: Eine theoriegeschichtliche Einführung (Erste Auflage, Originalausgabe). Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft: Vol. 2200. Berlin: Suhrkamp.

Kommunalpolitik, Schule und Diskriminierung

Die Auseinandersetzungen um die Schulentwicklung und damit um die Kanalisierung von Schülerströmen in einem nun viergliedrigem Schulsystem bleiben zudem nicht auf des Schulsystem begrenzt, sondern beschäftigen Experten aus der Wissenschaft und die (kommunal-)politische Öffentlichkeit. Schulreform und Schulentwicklung sind ein bevorzugter Gegenstand des öffentlichen Disputes und wiederkehrender Anlaß für Erregung und die Inszenierung parteipolitischer Differenz, zumal vor Wahlkämpfen. Eine wichtige Dimension des kommunalen Schulsystems, die für die Analyse institutionalisierter Diskriminierung besonders relevant ist, sind die kommunalpolitischen Diskussionen zu Erziehungsfragen in den lokalen Medien. Hier wird öffentlich gestritten über die Frage, wie Quantität und Qualität des Schulangebotes in Zukunft aussehen sollen, wie das Angebot über die Stadtteile verteilt sein soll, wie der Unterricht ausländischer Kinder zu organisieren sei etc. Die in solchen Diskussionen durchgesetzten Sicht- und Redeweisen bilden den Rahmen für die Konturierung der institutionellen Argumentationshaushalte, die in der Organisation Schule benutzt werden, wenn Entscheidungen über die Karriere einzelner Schüler getroffen und nachträglich begründet werden müssen. Öffentliche Diskurse im Sinne sozial gültig gemachter Redeweisen beliefern die schulinternen Entscheidungs- und Begründungsvorgänge gleichsam mit neuen Argumentationsfiguren oder bestätigen die vorhandenen. Die Entscheidungen, die im Zuge der Schulentwicklungsplanung getroffen und begründet wurden, die Debatten und Kontroversen, die in diesem Zusammenhang geführt wurden, können als Vorstrukturierung des Distributionsvorgangs aufgefasst werden, in dem Schüler auf das Schulsystem verteilt werden. Zugleich werden damit strukturell Chancen zugeteilt, die die Karriere eines Kindes eines bestimmten Jahrgangs nachhaltig beeinflussen. Sofern in der Schulentwicklung „Vermittlungsmechanismen von Ungleichheit“ zu entdecken wären, soll von institutioneller Diskriminierung gesprochen werden. (Gomolla und Radtke 2009, S. 98)
Gomolla, Mechtild; Radtke, Frank-Olaf (2009): Ein lokales Schulsystem. In: Mechtild Gomolla und Frank-Olaf Radtke (Hg.): Institutionelle Diskriminierung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 97–124.