Die Illusion geicher Bildungschancen

Es hängt alles mit allem zusammen. Zwar beanspruchen „wir“, in einer Gesellschaft zu leben, einer Wissensgesellschaft, in der Leistung zählt, die sich vom Herkunfts- als ordnendes Prinzip verabschiedet hat, in der gewissermaßen jeder die „gleiche“ Chance hat, aufzusteigen wenn er/sie/es nur genug lernt, sich bemüht, anstrengt, etwas „leistet“. Dass dies ein Trugschluss ist, hat die Forschung bewiesen, allerdings, wer hört wirklich darauf? Außer Bildungspolitiker wenn Berichte veröffentlicht werden oder die Wirtschaft, wenn genug oder die richtigen Bewerbenden um die Ausbildungsplätze fehlen? Zweifel an der Meritokratie stellen so einiges in Frage. Richten den Blick auf Privilegien, auf Disktinktion, darauf, dass es mehr Differenzlinien gibt als Diversitätskonzepte vermitteln. Und am Ende auch darauf, dass es gar nicht so viele Chancen gibt, wie gleich oder gerecht verteilt sein sollen oder anders gesagt, die Konkurrenz um das knappe gut gut bezahlter sozial anerkannter und gefragter beruflicher Positionen blenden wir beim Thema Bildungsgerechtigkeit und Bildungschancen gerne aus. Ob nun PISA oder diverse Bildungsberichte oder eine Vielzahl von Studien und Untersuchungen, der Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungbiografie – von Erfolgen ganz zu schweigen – der lässt sich immer noch nachweisen.

Es ist noch gar nicht so lange her, Mitte/Ende der Fünfziger Jahre referierten und publizierten Soziologen noch , dass niedere soziale Schichten minderbegabt wären und die Sozialstruktur somit ihre Rechtfertigung in der unterschiedlichen Begabung und somit alles schon seine Ordnung habe. Der Bogen zu Rassenideologien lässt sich auch anhand konkreter Personen spannen. Karl Valentin Müller sei als ein Beispiel genannt. Wenn man also der Frage nachgehen will, warum es so ist, warum es diesen Zusammenhang nach wie vor gibt, man wird an der Frage nicht vorbei kommen, inwieweit latent solche Denkmuster noch eine Rolle spielen.

Auch an der Entzauberung weiterer Illusionen wird man nicht vorbeikommen. Wir glauben gern und hoffen, alles Mögliche steuern zu können. Lassen aber ausser Acht, dass es Prozesse und Entwicklungen und Zustände als Ergebnis sich gegenseitig befördernder Mechanismen gibt, die sich so einfach nicht steuern lassen, nicht zuletzt, weil es gerade im Bereich Bildung Interessen- und/oder Zielkonflikte gibt, deswegen oft im Einzelnen eine Steuerung nicht oder nur um den Preis von Wählerstimmen oder politischen Auseinandersetzungen machbar ist.

Solch Phänomen ist die soziale Segregation, von Städten und von Kindertagesstätten und Schulen, die Entmischung, die im Ergebnis zu einer gewissen Homogenisierung hinsichtlich bestimmter sozialer Merkmale führt und die sich in der Konsequenz erheblich auf Bildungschancen auswirkt. Nun ist die Frage, an welcher Stelle fängt man an, „Bildungsungerechtigkeit“ oder ungleiche Bildungschancen auseinanderzunehmen um letztlich die Möglichkeiten zu identifizieren, die „tatsächlich“ bestehen, steuernd einzugreifen. Und was sind überhaupt Bildungschancen.

Fortsetzung folgt.